Brau-Lexikon
Alle wichtigen Begriffe rund ums Bierbrauen – von A wie ABV bis Z wie Zugabe.
A
Alkohol in Volumenprozent. Berechnung: ABV = (Stammwürze - Restextrakt) × 131.25. Typisch: Leichtbier 3-4%, Pilsner 4-5%, IPA 6-7%, Imperial Stout 10%+.
B
Schwimmkörper zur Dichtemessung. Zeigt Stammwürze/Restextrakt an. Braucht ca. 100ml Probe. Temperaturkorrektur nötig (kalibriert auf 20°C).
Wichtigste Zutat im Bier (90%+). Mineralgehalt beeinflusst Geschmack und Maisch-pH. Wichtige Ionen: Calcium, Magnesium, Sulfat, Chlorid. Kann mit Salzen angepasst werden.
Bitterness Units to Gravity Units - Verhältnis von Bitterkeit zur Stammwürze. Zeigt die Balance des Bieres: <0.5 = malzig, 0.5-0.8 = ausgewogen, >0.8 = hopfig.
E
Der erste Schritt beim Maischen - das Vermischen von Malz und Wasser bei einer bestimmten Temperatur (meist 62-67°C).
G
Behälter für die Gärung. Typen: Eimer, Glasballon (Carboy), Edelstahl-Gärtank, konischer Fermenter. Sollte luftdicht mit Gärspund verschlossen werden.
Ermöglicht CO2-Austritt während der Gärung und verhindert Lufteintritt. Mit Wasser oder Sanitizer gefüllt. Blubbert während aktiver Gärung.
Hefe wandelt Zucker in Alkohol und CO2 um. Primärgärung dauert 3-14 Tage je nach Hefestamm und Temperatur. Obergärige Hefe: 18-24°C. Untergärige Hefe: 8-14°C.
H
Mikroorganismen die Zucker in Alkohol und CO2 umwandeln. Obergärige Hefe (Ale): Vergärt bei 15-24°C, erzeugt fruchtige Aromen. Untergärige Hefe (Lager): Vergärt bei 8-14°C, sauberer Geschmack.
Blüten der Hopfenpflanze. Liefern Bitterkeit (Alpha-Säure), Aroma und konservierende Eigenschaften. Formen: Dolden, Pellets, Extrakt. Sorten unterscheiden sich in Alpha-Säure und Aromaprofil.
Zeitpunkt der Hopfenzugabe während des Kochens. Bitterhopfung: 60 min vor Ende. Aromahopfung: 15-0 min vor Ende. Whirlpool: Nach Kochende. Stopfhopfen: Während Gärung.
Die Würze wird 60-90 Minuten gekocht. Hopfen wird zu verschiedenen Zeiten zugegeben: Früh = mehr Bitterkeit, Spät = mehr Aroma. Auch wichtig für Sterilisation und Eiweißgerinnung.
I
International Bitterness Units - Maßeinheit für die Bitterkeit des Bieres. Je höher der IBU-Wert, desto bitterer das Bier. Typische Werte: Weizenbier 10-15, Pilsner 25-45, IPA 40-70+.
India Pale Ale - Hopfenbetonter Bierstil mit hoher Bitterkeit (40-70+ IBU) und intensiven Hopfenaromen. Varianten: West Coast IPA (bitter, trocken), NEIPA (saftig, trüb), Session IPA (leichter).
Mehr erfahrenK
CO2-Gehalt im Bier, gemessen in Volumes CO2. Methoden: Flaschengärung mit Zucker, Zwangskarbonisierung mit CO2, oder Spunden (Druckgärung). Typisch: Weizen 3.5-4.5 Vol, Pilsner 2.5, Stout 1.8-2.2.
L
Oberbegriff für untergärig gebraute Biere. Vergärt bei kühleren Temperaturen (8-14°C) mit anschließender Lagerphase. Umfasst Pilsner, Helles, Märzen, Bock, Schwarzbier.
Trennung der flüssigen Würze vom Treber (ausgelaugtes Malz). Der Treber dient als natürlicher Filter. Langsames Abläutern verhindert trübe Würze.
M
Prozess bei dem geschrotetes Malz mit heißem Wasser vermischt wird. Enzyme im Malz wandeln Stärke in vergärbaren Zucker um. Temperatur und Zeit beeinflussen den Körper des Bieres.
Mehr erfahrenBehälter zum Maischen und/oder Kochen der Würze. Kann einfacher Topf sein oder spezialisiertes All-in-One System wie Grainfather, Braumeister oder Speidel.
N
Natürliche Karbonisierung durch Zugabe von Zucker vor dem Abfüllen. Die restliche Hefe vergärt den Zucker und erzeugt CO2. Dauert 2-4 Wochen bei Zimmertemperatur.
Ausspülen des Trebers mit heißem Wasser (76-78°C) um restlichen Zucker zu extrahieren. Entweder kontinuierlich (Fly Sparge) oder portionsweise (Batch Sparge).
O
Hefetyp der bei wärmeren Temperaturen (15-24°C) vergärt und an der Oberfläche arbeitet. Schnellere Gärung (3-7 Tage). Erzeugt Ale-Stile: IPA, Stout, Weizen, Pale Ale.
P
Helles, untergäriges Bier mit ausgeprägter Hopfenbitterkeit. Ursprung: Pilsen, Tschechien (1842). Deutsches Pils ist trockener und bitterer als tschechisches.
R
Temperaturhaltephase beim Maischen. Wichtige Rasten: Eiweißrast (50-55°C), Maltose-Rast (62-65°C), Verzuckerungsrast (68-72°C), Abmaischen (76-78°C).
Optisches Messgerät für die Stammwürze. Misst den Brechungsindex einer Flüssigkeit. Braucht nur wenige Tropfen Probe. Bei vergorenem Bier muss Alkohol korrigiert werden.
Der verbleibende Zuckergehalt nach der Gärung. Je niedriger, desto trockener das Bier. Die Differenz zur Stammwürze bestimmt den Alkoholgehalt.
S
Die Zusammensetzung der Malze im Rezept. Typisch 80-100% Basismalz plus Spezialmalze für Farbe und Geschmack. Beeinflusst Farbe, Körper und Geschmacksprofil.
Unvergärte Würze die zur Karbonisierung verwendet wird. Alternative zu Haushaltszucker. Wird vor dem Abfüllen zur vergärten Würze gegeben.
Natürliche Karbonisierung unter Druck während der Endphase der Gärung. Ein Spundventil hält den Druck konstant. Schneller als Flaschengärung und erzeugt feinere Kohlensäure.
Standard Reference Method - Amerikanische Maßeinheit für die Bierfarbe. Umrechnung: EBC ≈ SRM × 1.97. In Europa wird meist EBC verwendet.
Der Zuckergehalt der Würze vor der Gärung, gemessen in °Plato oder als Dichte (z.B. 1.050). Bestimmt den potenziellen Alkoholgehalt des fertigen Bieres.
Hopfenzugabe während oder nach der Gärung. Extrahiert intensive Hopfenaromen ohne zusätzliche Bitterkeit. Typisch 3-7 Tage bei Gärtemperatur. Besonders wichtig für IPAs.
Dunkles, röstiges Bier mit Aromen von Kaffee, Schokolade und geröstetem Getreide. Varianten: Dry Stout (irisch), Oatmeal Stout, Milk Stout (mit Laktose), Imperial Stout.
T
Ausgelaugtes Malz nach dem Läutern. Kann als Tierfutter, Kompost oder zum Backen (Treberbrot) verwendet werden.
U
V
Prozentualer Anteil des vergärten Zuckers. Scheinbar: (OG-FG)/(OG-1)×100. Tatsächlich niedriger wegen Alkohol. Typisch 70-85%. Höher = trockeneres Bier.
Die erste, konzentrierteste Würze die beim Läutern abfließt, bevor der Nachguss beginnt. Hat die höchste Stammwürze.
W
Anpassung des Brauwassers durch Salze (Gips, Calciumchlorid, Magnesiumsulfat). Sulfat betont Bitterkeit (IPA), Chlorid betont Malzsüße (Stout). Wichtig für stilgerechtes Brauen.
Bayerischer Bierstil mit mind. 50% Weizenmalz. Typische Aromen: Banane, Nelke, fruchtig. Trüb durch Hefe in Schwebe. Varianten: Hefeweizen, Kristallweizen, Dunkelweizen.
Nach dem Kochen wird die Würze in Rotation versetzt. Trub und Hopfenreste sammeln sich in der Mitte. Whirlpool-Hopfung bei 80-85°C extrahiert Aromen ohne viel Bitterkeit.
°
Maßeinheit für den Extraktgehalt der Würze in Gewichtsprozent. 12°P bedeutet 12g Extrakt pro 100g Würze. Umrechnung: °Plato ≈ (SG - 1) × 259.